"Dann pflegte ich in den Wald zu gehen als in die alte Heimat meiner Seele und dort über dem Moor zu sitzen, lange Zeit, meine Hände in das Gras zu stützen und hinauszublicken über das grüne Schweigen bis zu dem weiten Horizont, ..."

   

ERNST WIECHERT (1887 - 1950)


 

 

Die wichtigsten Lebensdaten

           
Willkommen
Leben
Werk
Bibliografie
Fotos
Presseberichte
Diverses
IEWG
Herbig
Personen
Masuren
Polski
Русский
Magyar
Česky
Was ist neu?
Links
Impressum
 


Geboren am 18. Mai 1887 im Forsthaus Kleinort, Gem. Peitschendorf, Kreis Sensburg/südliches Ostpreußen (Masuren).

Vater:   Emil Martin Wiechert, Kgl. Förster. Seine Familie war in der Johannisburger Heide zu Hause, sein Geburtsort Jaschkowen liegt nur wenige Kilometer von Sowirog entfernt.

Mutter: Henriette Wiechert, geb. Andreae, stammte aus Cruttinnen (Masuren), hatte vier Schwestern.

Erziehung durch Hauslehrer bis 1898, frühe musikalische Begabung, spielte Geige und Klavier.
Er hatte zwei Brüder: der ältere Walter verschrieb sich dem Soldatenberuf, der jüngere, Paul, starb mit 5 Jahren (am 18. Februar 1895) an Diphterie.

1898 - 1905 Kgl. Oberrealschule auf der Burg in Königsberg/Ostpreußen.

1905 Reifeprüfung unter Befreiung von der mündlichen Prüfung.

1905 - 1911 Studium an der Albertus-Universität Königsberg; Naturwissenschaften, Englisch, Erdkunde, Philosophie, Deutsch.

1906 Unterbrechung des Studiums für ein Jahr. Erzieher in der Familie des baltischen Barons Grotthuß auf seinem ostpreußischen Gut bei Metgethen am Haff bei Königsberg. Im Spätherbst - nach Verkauf des Gutes und Erwerb eines neuen - als Hauslehrer bei Memel.

1911 Staatsexamen für das höhere Lehramt mit "Gut" in den Studienfächern Deutsch, Englisch, Erdkunde und Philosophie.

1911 - 1914 Ausbildungs- und Schuldienst in Königsberg, das sogen. Seminarjahr beim Friedrichskollegium und dann als wissenschaftlicher Hilfslehrer an der Königlichen Oberrealschule auf der Burg in Königsberg.

1912 Am 12. Juni nimmt sich seine Mutter in ihrer Wohnung in dem nahen Ostseebad Cranz durch Gift das Leben. Auf dem Dünenfriedhof am Meer fand sie ihre letzte Ruhestätte. Auf ihrem Grabstein stehen die Worte: "Du bleibst bei uns".

1912 Am 02. Juli stille Hochzeit mit Meta Mittelstädt. Schwiegereltern wohnten im benachbarten Forsthaus Lißuhnen (beide Forsthäuser gehörten zu der Oberförsterei Pfeilswalde, Masuren).

1914 - 1918 Im ersten Weltkrieg in Russland und Frankreich; 1918 an der Westfront durch Granatsplitter an der linken Schläfe verwundet, Leutnant der Reserve.

1917 Am 11.11. Tod des einzigen Sohnes Ernst-Edgar (einen Tag nach der Geburt), den er durch die Kriegsereignisse nie gesehen hatte. Beerdigt auf dem Waldfriedhof am Großen Maitz-See bei Pfeilswalde.

1919 - 1930 Schuldienst in Königsberg/Ostpreußen: 1919 Oberlehrer am Friedrichskollegium und Oberrealschule auf der Burg; 1920 - 1930 Studienrat am Staatlichen Hufengymnasium.

1929 Am 25.09. scheidet nach mehreren depressiven Anfällen seine erste Frau freiwillig aus dem Leben. Auf ihren Wunsch wurde sie neben ihrem Sohn auf dem Waldfriedhof am Gr. Maitz-See bei Pfeilswalde beigesetzt.

1930 Am 16.04. Übersiedlung nach Berlin-Grunewald, Höhmannstraße 6.

1930 - 33 Beruflich am Kaiserin-Augusta-Gymnasium in Berlin-Charlottenburg tätig.

1932 Am 22.12. Heirat mit Paula Marie (Lilje) Junker geb. Schlenther (geb. 15.10.1889, gest. 12.08.1972), die kurz davor ihre erste Ehe beendet hatte.

1933 Am 01.04. verlässt den Schuldienst und lässt sich pensionieren.

1933 - 1936 Freier Schriftsteller in Ambach am Starnberger See, Oberbayern. Lebt in der Villa "Waldschlößl", im Haus des mit ihm befreundeten Pianisten Wilhelm Kempff.
In dieser Zeit hält er seine Mahnreden an die Jugend vom 06.07.1933 und 16.04.1935.

1936 Im Dezember Umzug in das erworbene (und neu gebaute) Haus "Hof Gagert" bei Wolfratshausen, Oberbayern, ein zum Landhaus umgebautes Bauernhaus.

Reisen nach Schweden, Norwegen, Dänemark, England, Frankreich, der Schweiz, Italien, Tschechoslowakei, Österreich; fast alle zu Vorlesungen aus eigenen Werken.

1937 Am 13.01. stirbt sein Vater. Ein halbes Jahr zuvor besuchte er nach langer Zeit seinen Vater in Peitschendorf - wohl wissend, dass er ihn und seine ostpreußische Heimat zum letzten Male sieht. Diese Begegnung hat er liebevoll in seiner Erinnerung "In der Heimat" beschrieben.

1938 Auslandsreiseverbot.

06.05 - 03.07.1938 Untersuchungshaft im Gestapo-Gefängnis an der Brienner Str. in München, am 04. 07.1938 Überstellung ins KZ Buchenwald auf dem Ettersberg bei Weimar. Die Begründung für die Verhaftung lautete: "Wegen betont staatsfeindlicher Gesinnung und Erregung öffentlicher Unruhe gegen Partei und Staat". Den eigentlichen Verhaftungsgrund sieht Ernst Wiechert in seiner Stellungnahme für den inhaftierten Pastor Niemöller und seiner Weigerung, an den Wahlen zum 'Anschluss' Österreichs an das Deutsche Reich 1938 teilzunehmen.

Nach Protesten aus vielen Ländern und fortschreitender Krankheit am 30. August 1938 freigelassen.
Eingeschüchtert und gedemütigt musste er am 27.10.1938 an den von Goebbels einberufenen Weimarer Dichtertagen teilnehmen - ein Kompromiss, der nach dem Zweiten Weltkrieg viele perfide Kritiker auf den Plan gerufen hatte.

Bis 1945 unter Gestapo-Aufsicht. Er lebt in größter Zurückgezogenheit auf dem "Hof Gagert". Sein "Einfaches Leben" wurde noch 1939 mit großem Erfolg herausgegeben. Die neu geschriebenen Bücher sind der Zensur unterworfen, sein gesamtes Werk kommt auf die Liste der "Unerwünschten Literatur". Sechs Wochen nach Kriegsausbruch beginnt er seine Erinnerungen an die Inhaftierung aufzuzeichnen ("Der Totenwald"), die erst nach dem Zusammenbruch des NS-Regimes die Öffentlichkeit erreichen. Die "Jeromin-Kinder" werden geschrieben, aus Sicherheitsgründen muss er die Manuskripte in seinem Garten vergraben.

1945 Tritt mit Reden wieder an die Öffentlichkeit; seine Ansichten lösen heftige Kritik aus.

1947 Am 30.11., dem 1. Adventssonntag, feierliche Glockenweihe in der katholischen Kirche zu Degerndorf, an der Ernst Wiechert persönlich anwesend ist. Der Dichter schenkt der Gemeinde drei Glocken, da die alten im Krieg eingeschmolzen wurden. Sie wurden in der berühmten Aarauer Gießerei Rüetschi (Schweiz) gegossen zum Preis von 1 Million Schweizer Franken. Zur Kostenbestreitung hat Ernst Wiechert seine Schweizer Honorare verwandt, darüber hinaus machte er noch beträchtliche Schulden. "Er stiftete aus innerstem Motiv diese Glocken ´ad majorem Dei gloriam´ (zur größeren Verherrlichung Gottes) ...", berichtet der Pfarrer L. Batzinger, Schweitenkirchen.

1948 Im Mai verlässt er innerlich verbittert Deutschland, zieht sich auf den Rütihof bei Uerikon zurück. Es ist ein Häuschen am Zürichsee, das Schweizer Freunde dem Dichter zum Geschenk machten.

1949 Besucht die USA (Universität Stanford und Berkeley), Holland und Österreich als Zeuge eines anderen, eines besseren Deutschlands.

1950 Nach einer Lähmung Ende März und einer erfolglosen Operation am 01. April stirbt Ernst Wiechert im Alter von 63 Jahren am 24. August 1950 um 04.45 Uhr auf dem Rütihof an den Folgen eines unheilbaren Krebsgeschwürleidens im Rückenmark (als direkte Todesursache gilt eine Lungenentzündung). Am 26. August wurde auf dem Rütihof eine Gedächtnisrede von Dr. med. F. Siegfried, seinem Arzt, vor einem kleinen Kreis gehalten (Ernst Wiecherts letzter Wille war es, in seinem Garten beigesetzt zu werden). Im September wurde auf Wunsch von Frau Lilje Wiechert die Urne auf den Friedhof in Stäfa am Zürichsee gebracht, damit das Grab allen Menschen zugänglich bleibt. Dort hielt Pfarrer Senn, ein lieber Freund Wiecherts aus Stäfa, die kurze Andacht. Nur einige Freunde waren dabei. Dies berichtete Frau Blanche Gaudenz aus Uerikon, Nachbarin und Freundin Ernst Wiecherts in den beiden letzten Lebensjahren des Dichters.

Mit Frau Blanche Gaudenz sprach mehrfach Herr Horst Radeck, Braunschweig, dessen Angaben ich in dieser Zusammenstellung zitiere.