"... Zwei neue Hände hast du bekommen, und mit ihnen tue Recht und Barmherzigkeit, wohin du kommst. Das ist der wahre Zauber dieser Erde und das wahre Märchen, das immer bleibt, wenn auch die anderen alle versinken ..."

   

ERNST WIECHERT (1887 - 1950)


 

Internationale Ernst-Wiechert-Gesellschaft
(IEWG)

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(Ausgewählte Beiträge)

 
     


EIN JAHRFÜNFT DES WIECHERT-GEDENKENS

Klaus Weigelt

 
     
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Vor einem halben Jahrhundert begann für Ernst Wiechert seine letzte entscheidende Lebensphase. Nach Jahren der Stille und der Zurückgezogenheit während des Zweiten Weltkrieges, die Wiechert aber bekanntlich recht aktiv schreibend verbracht hatte, erschienen 1945 und 1946 gleich mehrere Werke, die bis heute eine große Bedeutung haben: der erste Band der "Jeromin-Kinder", der "Totenwald", die "Märchen" und "Der weiße Büffel", aus dem er schon mutig in den dreißiger Jahren öffentlich gelesen hatte. Alle diese Werke bedeuten Meilensteine in der dichterischen Entwicklung des Autors, und sie gehören auch zu den Werken, die vor dem selbstkritischen Urteil Wiecherts eher Bestand und Dauer haben als frühere Werke. Im Herbst 1945 hält Ernst Wiechert auch die letzte (jedenfalls in Deutschland) seiner insgesamt vier großen Reden an die Jugend. Diese Münchener Rede hat damals sehr viele Menschen erreicht und bewegt. So unterschiedliche Charaktere wie Roman Herzog, heute Präsident der Bundesrepublik Deutschland, und Ralph Giordano, ein streitbarer jüdischer Schriftsteller, waren tief beeindruckt von dieser Rede und wurden für ihr Leben von ihr geprägt. Bundespräsident Herzog hat aus dieser Rede einen Vers aus dem Abschlußgedicht anläßlich des Staatsaktes zum 8. Mai 1995 in Berlin zitiert, und wir haben diese für die IEWG wichtige Stelle in diesen Mitteilungen dokumentiert. Es ist ein ganz besonderes Ereignis - auch für mich persönlich, der ich anwesend sein konnte -, daß vor den Staats- und Regierungschefs der früheren Siegermächte der deutsche Bundespräsident gerade Ernst Wiechert zitiert. Es ist wie eine späte Rehabilitation dieses Dichters, der Deutschland 1948 enttäuscht den Rücken kehrte. Ralph Giordano hat Ernst Wiechert in seinem Buch "Ostpreußen ade" seine Referenz erwiesen. Auch das haben wir in diesen Mitteilungen dokumentiert, weil hier eine aktuelle Würdigung Wiecherts vorliegt, nachdem jahrelang kaum Aussagen zu Wiechert gemacht wurden, jedenfalls nicht von so herausragender Stelle her, sieht man einmal von den zahlreichen Würdigungen anläßlich des 100. Geburtstages im Jahre 1987 ab. Giordanos Zeugnis ist gerade auch wegen seiner kritischen Grundhaltung glaubwürdig, bescheinigt er doch Ernst Wiechert eine hohe Glaubwürdigkeit in seiner politischen Haltung, die oft angezweifelt wurde. In den Jahren 1945 bis 1947 entscheidet sich Wiechert für die letzte Phase seines Lebens. Schlüsseltexte für diesen Entscheidungsprozeß sind sein "Selbstporträt" und der "Abschied von der Zeit". Beide Texte entstanden 1946, also vor 50 Jahren. Sie sind von so eindringlicher Klarheit und so charakteristisch für den Dichter, wie wir ihn kennen und schätzen, daß wir sie an den Anfang dieser Mitteilungen gestellt haben. Sie stimmen ein auf das Jahrfünft des Wiechert-Gedenkens, das jetzt angebrochen ist und das uns bis zum 50. Todestag des Dichters im Jahre 2000 begleiten wird.

 

1. Erinnerungen an Ernst Wiechert - Hans-Joachim Haecker

2. Schulausflüge mit Ernst Wiechert - Gerhard Kamin

3. Ansprache des Bundespräsidenten - Roman Herzog

4. Dritte wissenschaftliche IEWG-Tagung in Mülheim - Klaus Weigelt

5. Sechs Jahre Internationale Ernst-Wiechert-Gesellschaft - Klaus Weigelt

6. Neues aus Kleinort - Horst Radeck

7. Ernst Wiechert in Königsberg - Manfred Schoenfeldt

8. Dunkler Osten? - Hans Ernst Schneider

9. Mitgliederversammlung der IEWG am 9. Juli 1995