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ERNST WIECHERT (1887 - 1950)
Internationale Ernst-Wiechert-Gesellschaft
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Mitteilungen 9/2001
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Es war ein strahlender Spätsommertag, jener Sonntagvormittag in Ambach am Starnberger See, als in dem wohltuend ausgestatteten Hotel Wiedemann eine Vorstandssitzung der IEWG abgehalten wurde. Die Mitglieder, die zu den Feierlichkeiten zum 50. Todestag des Dichters angereist waren, machten einen empfehlenswerten Spaziergang zum See und in die herrliche Umgebung, in der Sitzung standen jedoch ernste Probleme an. Die Mitteilung von Herrn Dr. Hans Martin Pleßke, er werde - trotz aller Bitten - den Vorsitz bei der nächsten Wahl nicht mehr übernehmen, löste besorgte Fragen nach einem Nachfolger auch, zumal Herr Horst Radeck ebenfalls eine weitere Mitarbeit im Vorstand als zu große Belastung ablehnte. Die Gründe beider Herren waren durchaus nachvollziehbar - die Gesundheit und das zunehmende Alter verlangen ihren Tribut -, aber die Lücken, die sich da auftaten, waren doch sehr beunruhigend. Schließlich sprach ein Vorstandsmitglied den entscheidenden Satz. "Wir versuchen einen Nachfolger für Herrn Dr. Pleßke zu finden - aber den gibt es nicht!" Die Leistungen von Herrn Dr. Pleßke können aufgelistet und gewürdigt werden, aber auch damit kann nicht deutlich genug gemacht werden, was er für die IEWG bewirkt und bedeutet hat. Als exzellenten Wiechert-Kenner weisen ihn seine Vorträge und Publikationen aus, die durch die präzisen Kenntnisse von Zeitumständen und Hintergründen zu Fundgruben für die Wiechert-Forschung werden. Genannt sei hier nur sein Beitrag zur sechsten Wissenschaftlichen Tagung der IEWG am 19. Mai 2001 über "Wiechert und seine Verleger"; auch der Germanist und Literaturwissenschaftler wurde hierbei in ein Stück deutscher Verlagsgeschichte eingeführt, über die er einen derartigen Überblick gar nicht haben konnte. Seine Erfahrungen als Bibliothekar und Publizist ist es zu verdanken, dass sich die IEWG als ernstzunehmende Forschungsgemeinschaft stabilisieren konnte. Die literaturwissenschaftliche Fachwelt ist auf die Veröffentlichungen der IEWG aufmerksam geworden. Dr. Hans-Martin Pleßke gab zusammen mit Klaus Weigelt den Band "Zuspruch und Tröstung. Über Ernst Wiechert" (Frankfurt 1999) heraus, die Mitteilungen der IEWG und die Jahresgabe 2000 enthalten wissenschaftliche Beiträge der Mitglieder und können als bemerkenswerte Sekundärliteratur zum Werk Ernst Wiecherts angesehen werden. Ein Kraftakt war die Organisation der Feierlichkeiten zum 50. Todestag von Ernst Wiechert, die in Wolfratshausen und Ambach mit großer Öffentlichkeitswirkung stattfanden. Dr. Hans-Martin Pleßke hat ein Jahr intensive Arbeit in dieses Projekt investiert - der Erfolg mag es ihm gelohnt haben, die Anstrengungen aber waren enorm. Doch von noch größerer Bedeutung ist die integrative Wirkung der Arbeit von Dr. Pleßke, die auch den internationalen Charakter der IEWG gefördert hat. Wenn er immer wieder von der "Wiechert-Familie" sprach, so ist es nicht zuletzt sein Verdienst, diesen Begriff mit Leben gefüllt zu haben; Vorstand und Mitglieder fühlten sich zunehmend verbunden in der gemeinsamen Aufgabe, sich für das Erbe des bedeutenden ostpreußischen und europäischen Dichters einzusetzen. Herrn Dr. Pleßke gelang es durch positiv verstärkende Ansprache, jeden seinen Fähigkeiten entsprechend einzubeziehen. Die Wiechert-Gesellschaft sieht sich einem bedeutsamen und verpflichtenden Erbe gegenüber. Am 20. Mai 2001 wurde ich in Mülheim/Ruhr zur neuen Vorsitzenden gewählt. Ich nahm das Amt mit großer Dankbarkeit an, einmal aus der Bereitschaft zu preußischer Pflichterfüllung, zum anderen aber aus der Verbundenheit mit dem Werke Ernst Wiecherts, das mir mit zunehmendem Alter immer mehr eine Quelle der Weisheit und der moralischen Größe wird. An dieser Stelle möchte ich wiederholen, was ich bereits in Mülheim gesagt habe: die Nachfolgerin von Herrn Dr. Pleßke bin ich nicht. Ich kann es ganz einfach nicht sein, weil ich nicht über seine Kompetenz verfüge. Dennoch sehe ich in dem Geist unserer Wiechert-Gesellschaft gute Chancen zu unserer weiteren Arbeit. Der internationale Charakter unserer IEWG soll ein Schwerpunkt unserer Arbeit bleiben. Ein Dichter, der so viele Nationen zusammenführt, muss eine besondere Bedeutung haben. Ein ermutigender Erfolg auf diesem Wege ist die Verleihung des Ernst-Wiechert-Preises durch die Königsberger Stadtgemeinschaft, die am 22. September 2001 in Potsdam an die beiden russischen Mitglieder Sem Simkin und Lidia Natjagan erfolgt. Des weiteren soll die wissenschaftliche Erforschung des Werkes von Ernst Wiechert eine entscheidende Aufgabe unserer Gesellschaft bleiben. Unsere Mitglieder haben bereits bedeutende Beiträge geleistet; ein dritter Band mit wissenschaftlichen Beiträgen ist geplant. Herr Dr. Pleßke hat seine wissenschaftliche und publizistische Mitarbeit für die Zukunft zugesagt, ebenso seine Bereitschaft, dem neu gewählten Vorstand mit seinem unverzichtbaren Rat beizustehen. Ebenso kann der Vorstand auf den Beistand von Herrn Horst Radeck zurückgreifen. Sein Einsatz für das Werk des ostpreußischen Dichters wird unverändert groß sein. Allein seine Bücherspenden nach Königsberg sind von großer Bedeutung, wie auch sein Einsatz in Masuren. Ich persönlich freue mich auf die Zusammenarbeit mit den polnischen Wiechert-Freunden, und gerade dabei wird die Leistung von Horst Radeck bisher und in Zukunft unverzichtbar sein. Ein besonderer Dank gilt unserem bisherigen Schatzmeister Herrn Helmut Schmitz, der ebenfalls aus dem Vorstand ausgeschieden ist. Seit der Gründung der IEWG führte er die Geldgeschäfte und übernahm darüber hinaus noch eine Reihe von Verwaltungsaufgaben. Über ihn liefen zudem Anmeldungen und Anfragen, er verschickte gewünschtes Material und war bei den Tagungen für die organisatorischen Fragen zuständig. Seine vielfältigen Aufgaben wurden bei seinem Ausscheiden auf mehrere Vorstandsmitglieder aufgeteilt. Sein Nachfolger Herr Günther Ernst konnte von ihm einen guten Kassenstand und perfekte Unterlagen übernehmen. Auch in der Zeit seiner Erkrankung setzte sich Herr Schmitz für die IEWG ein, sobald es seine Kräfte erlaubten. Dafür ist ihm die Wiechert-Gesellschaft besonders verbunden. Alle Mitglieder der IEWG haben bisher ihre Bereitschaft bewiesen, für das Werk und die Persönlichkeit des Dichters Ernst Wiechert einen großen persönlichen Einsatz zu liefern. Zeit, Arbeitskraft und private finanzielle Mittel wurden in großem Maße investiert; allen sei dafür Dank und Anerkennung ausgesprochen. Doch ebenso großartig sind die Früchte dieses vielfachen Einsatzes. Die Anerkennung der IEWG durch die Fachwelt ist sicherlich ein großer Lohn; die immer enger werdende Verbindung der Mitglieder untereinander und die Erweckung immer neuer Fähigkeiten steht dem gewiss nicht nach. "Unsere Gesellschaft entwickelt eine Eigendynamik...", sagte ein Vorstandsmitglied in Mülheim mit leuchtenden Augen, als beim Gottesdienst gesangliche Fähigkeiten deutlich geworden waren. Hier liegt ohne Zweifel ein weites Feld. Die vielfachen Talente und die Kreativität unserer Mitglieder gilt es zu fördern. Der Vorstand soll als Team seine Aufgabe wahrnehmen und den Rat der ausgeschiedenen Mitglieder einholen. Ich persönlich habe bisher zwar mehrere Vorträge über unseren Dichter gehalten, kann aber nur eine Publikation in unserem Band "Zuspruch und Tröstung" vorweisen. Auch hier freue ich mich auf neue Arbeitsmöglichkeiten.
1. Keinen Keil zwischen Wiechert und die Juden - Jürgen Fangmeier 2. Ernst Wiechert Gedenken 2000 - Klaus Weigelt 3. Interesse der Fachwelt geweckt 4. Rechenschaftsbericht - Hans-Martin Pleßke 5. Literatur und Kunst - Der Krieg ist nicht für die Dichter - Bärbel Beutner 6. Funk und Fernsehen - Schwierige Wiechert-Rezeption 7. Ernst-Wiechert-Preis 2001 - Klaus Weigelt 8. Personen: Sem Simkin und Lidja Natjagan
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