"Ich bin ein gläubiges Kind gewesen, so fromm, wie ein Kind nur sein kann, und nun ist das vorbei. Ich bin noch nicht ungläubig, aber ich bin auf der Seufzerbrücke, die zwischen Glauben und Unglauben sich düster spannt.... die Gläubigkeit, die ich später langsam wiedergewann, war eine andere, als die Kirche sie verlangte."

   

ERNST WIECHERT (1887 - 1950)


 

Internationale Ernst-Wiechert-Gesellschaft
(IEWG)


» Von bleibenden Dingen - über Ernst Wiechert
und sein Werk «

Schriften der Internationalen Ernst-Wiechert-Gesellschaft, Band 3.
Herausgegeben von Bärbel Beutner / Hans-Martin Pleßke, 2002.

 
             
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                                                     VORWORT

Das Wiechertjahr 2000 (50. Wiederkehr des Todestages am 24. August) fand eine nachhaltige Resonanz über die Grenzen der Bundesrepublik Deutschland hinaus. Es hat sich gezeigt, daß die seit 1989 geleistete kontinuierliche Arbeit der Internationalen Ernst-Wiechert-Gesellschaft (IEWG) ihre Früchte trägt. Unsere aus zehn Ländern stammenden Mitglieder sind auf ganz unterschiedlichen Ebenen wirksam, um die Erinnerung an Ernst Wiechert zu pflegen und neue Interessenten für sein literarisches Werk zu gewinnen. Einige deutsche Mitglieder der IEWG widmen sich seit Jahren der Wiechertforschung und tragen dazu bei, daß auch bisher noch kaum behandelte Aspekte näher untersucht werden, um so zur Abrundung der Gesamtpersönlichkeit Wiecherts zu gelangen. Die wissenschaftlichen Arbeitstagungen der IEWG bieten jeweils eine gute Gelegenheit, den Gedankenaustausch auf internationaler Ebene zu führen und über neue Arbeitsergebnisse zu berichten. Der im Rahmen unserer Schriftenreihe nun vorliegende Band 3 »Von bleibenden Dingen« enthält zehn Vortragstexte und Aufsätze, die seit 1999 entstanden sind. Ob es um Wiecherts Wirken in der Öffentlichkeit geht, um seine Beziehungen zu den Theologen oder Verlegern, ob des Dichters Verhältnis zum Judentum, seine moralische Haltung oder die Anliegen seiner Märchen untersucht werden - der Leser wird mit vielfältigen neuen Forschungsergebnissen in Berührung gebracht, die des weiteren Durchdringens wert sind. Mit einem Beitrag unseres Mitglieds Anneliese Merkel nehmen wir in die Sammlung die Arbeit einer Schriftstellerin auf, die den Literaturfreund an ihrem ganz persönlichen Zugang zum Gedankengut Wiecherts teilhaben läßt. Mit seinem Werk hat Ernst Wiechert dazu beigetragen, die Botschaft der Liebe und der Versöhnung in die Welt zu senden. Bei diesem Dichter handelt es sich um einen Künstler, um den es außerhalb des Kreises der Wiechertgemeinde still geworden ist. Der Bayerische Ministerpräsident Dr. Edmund Stoiber hat das in seinem Grußwort am 22. September 2000 in Wolfratshausen so formuliert: »Unsere Zeit ist der Dichtung nicht besonders gewogen, und einem leisen Dichter erst recht nicht; ob das eher gegen die Dichter spricht oder gegen die Zeit, bleibe dahingestellt.« Für eine solche Aussage sind wir dankbar. Sie zeigt, daß Wiechert trotz des steigenden Verfalls innerer Werte im gegenwärtigen Literaturbetrieb noch nicht zu den völlig vergessenen Autoren gehört. Das Motto des Wiechertgedenkens 2000 »Nur wer die Herzen bewegt, bewegt die Welt« (SW 5,18) ist für die IEWG Anspruch und Verpflichtung zugleich, sich dem Werk des Dichters weiterhin verbunden zu fühlen und vor allem auch bei der jüngeren Generation Verständnis für einen Autor zu wecken, der im 20. Jahrhundert die deutsche Literatur mitgeprägt hat. Der Sammelband »Von bleibenden Dingen« bietet viele Ansatzpunkte, um Zugang zur Welt Ernst Wiecherts zu finden.

18. Mai 2002 (115. Geburtstag des Dichters)

Bärbel Beutner      Hans-Martin Pleßke

 

DIE AUTOREN:

REINHOLD AHR, geb. 1950 in Mainz. Studium in Gießen und Mainz (Psychologie, Medizin und Theologie), Promotion 1990, Gutenberg-Stipendium 1991 der Stadt Mainz. Zahlreiche lyrische Veröffentlichungen in Zeitschriften und Anthologien. (Monographien: »Empfindungssplitter«, 1991, »Fänger sind sie alle«, 1998). Lebt heute als Pfarrer und Autor in Altleiningen/Pfalz.

BÄRBEL BEUTNER, geb. 1945 in Stolp/Pommern auf der Flucht aus Heiligenwalde/Kreis Königsberg (Ostpreußen). Studium an der Wilhelms-Universität Münster (Germanistik, Philosophie, Latein). Staatsexamen 1969, Magister 1970, Promotion 1971 (Die Bildsprache Franz Kafkas). Seit 1972 am Friedrich-Bährens-Gymnasium in Schwerte/Westfalen in den Fächern Deutsch und Philosophie tätig. Lebt seit 1947 in Unna/Westfalen, was sich in verschiedenen literarischen Arbeiten niederschlägt. Monographische Veröffentlichungen über Agnes Miegel, Hermann Sudermann und über Ostpreußen. Seit 1984 freie Mitarbeit an der »Kulturpolitischen Korrespondenz« (Bonn) sowie an verschiedenen Zeitschriften. 1999 Gründung des Kleinverlages »Heiligenwalde« in Unna. Erste Veröffentlichung: »Susannenthal«. Novelle von G.G. Artemjew (2000).

JÜRGEN FANGMEIER, geb. 1931 in Neuwied/Rhein, verheiratet mit Erika geb. Reusser aus dem schweizerischen Kanton Bern. Studium der ev. Theologie, Philosophie, Psychologie und Pädagogik in Bonn, Tübingen, Basel und Wuppertal. Dr. theol. Basel 1963. Amerbach-Preis der Universität Basel 1967.1964-1967 Pfarrvikar in Riehen/Basel. Seit 1968 Pfarrer in Schöller/Wuppertal und Dozent, ab 1969 Professor für Systematische Theologie an der Kirchlichen Hochschule Wuppertal. 1987 und 1990 Gastdozent in Hyderabad/Indien. Seit 1994 emeritiert, wohnhaft in Haan bei Wuppertal. Theologische Veröffentlichungen, u. a. über Karl Barth, sowie verschiedene Beiträge über Ernst Wiechert.

LEONORE KRENZLIN, geb. 1934 in Leipzig. Studium der Germanistik ab 1953 an der Berliner Humboldt-Universität, Promotion zum Dr. phil. (Hermann Kant, Leben und Werk). Auch als Buch (1980) bisher in drei Auflagen erschienen. 1970-1990 Wissenschaftliche Mitarbeiterin am Zentralinstitut für Literaturgeschichte der Akademie der Wissenschaften der DDR. Forschungen und Veröffentlichungen zur Literatur im nationalsozialistischen Deutschland (u.a. über Ernst Wiechert, Friedrich Griese, Willy Richard Sachse), zum Problem der Remigration nach 1945 sowie zur Literatur der DDR. Lebt in Berlin.

ANNELIESE MERKEL, geb. 1949 in Duisburg, Buchhändlerlehre, seit 1977 Verlagsangestellte in Stuttgart, z. Zt. freiberufliche Tätigkeit als Korrektorin; schreibt Lyrik und Kurzprosa, Veröffentlichungen in Zeitschriften und Anthologien, drei eigenständige Gedichtbände. Seit ca. drei Jahrzehnten u. a. intensive Beschäftigung mit Leben und Werk Ernst Wiecherts. Lebt in Stuttgart.

HANS-MARTIN PLESSKE, geb. 1928 in Strenznaundorf (Mansfelder Seekreis). Buchhändler, Diplombibliothekar. 1949-1993 Wissenschaftlicher Bibliothekar in der Deutschen Bücherei Leipzig. 1972 Externes Staatsexamen (Bibliothekswissenschaft) an der Berliner Humboldt-Universität. 1974 Universität Leipzig Promotion zum Dr. phil. (Das Leipziger Musikverlagswesen und seine Beziehungen zu einigen namhaften Komponisten). Zahlreiche Veröffentlichungen zum Buch- und Bibliothekswesen, zur Musikverlagsgeschichte, zu den Wechselbeziehungen zwischen Musik und Dichtung sowie zur Literatur des 20. Jahrhunderts. Monographische Publikationen über R. C. Muschler, L. Fürnberg, E. Wiechert, A. Goes und S. Berger. Walter-Bauer-Preis für Literatur (1994) der Städte Leuna und Merseburg. Lebt in Taucha bei Leipzig.

KLAUS WEIGELT, geb. 1941 in Königsberg Pr. Diplom-Volkswirt. Seit 1971 Wissenschaftlicher Angestellter der Konrad-Adenauer-Stiftung im In- und Ausland, seit 2002 als Leiter der Außenstelle in Budapest. Vorsitzender der Stadtgemeinschaft Königsberg Pr., Mitglied im Kuratorium Ostdeutscher Kulturrat, Gründungsmitglied und Stv. Vorsitzender der IEWG. Zahlreiche Veröffentlichungen zu politischen und wirtschaftspolitischen Fragen. Hrsg. (mit Guido Reiner) von Band l der Schriften der Internationalen Ernst-Wiechert-Gesellschaft »Ernst Wiechert heute« (1993) und von Band 2 »Zuspruch und Tröstung« (mit Hans-Martin Pleßke, 1999).

 

DIE BEITRÄGE:

Hans-Martin Pleßke - Ernst Wiechert in seiner und unserer Zeit.

Leonore Krenzlin - Zwischen allen Stühlen. Ernst Wiechert in der politischen Öffentlichkeit 1933 bis 1947.

Hans-Martin Pleßke - »Des ewigen Kampfes mit der Bürokratie müde«. Die letzten Lebensjahre Ernst Wiecherts.

Klaus Weigelt - Ernst Wiecherts Reden an die Jugend.

Bärbel Beutner - Die Märchen Ernst Wiecherts.

Anneliese Merkel - Eine fiktive Begegnung mit Ernst Wiechert im Eulenwinkel.

Bärbel Beutner - Das moralische Gesetz im Werke Ernst Wiecherts.

Hans-Martin Pleßke - Wiechert und seine Verleger.

Reinhold Ahr - Ernst Wiechert und die Theologen. Eine fruchtbare Ambivalenz?

Jürgen Fangmeier - Juden bei Ernst Wiechert.

Jürgen Fangmeier - Keinen Keil zwischen Wiechert und die Juden.

 

Die grau markierten Beiträge wurden schon 1999 in » Wiechert 2000 « Jahresgabe der IEWG zum 50. Todestag des Dichters. veröffentlicht.