"Und es darf uns nicht verwundern, daß in der heutigen Welt der höchste Ruhm nicht selten dem Schriftsteller zufällt und nicht dem Dichter, weil diese ganze Welt mit ihren Meinungen und Maßstäben ja längst aus der stillen Dämmerung der Kultur in das harte Licht der Zivilisation getreten ist."

   

ERNST WIECHERT (1887 - 1950)


 

Internationale Ernst-Wiechert-Gesellschaft
(IEWG)


» Zuspruch und Tröstung - Beiträge über Ernst Wiechert
und sein Werk «

Schriften der Internationalen Ernst-Wiechert-Gesellschaft, Band 2.
Herausgegeben von Hans-Martin Pleßke / Klaus Weigelt, zum zehnjährigen Bestehen der IEWG 1999.

 
             
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Vor zehn Jahren - am 25. Mai 1989 - ist die Internationale Ernst-Wiechert-Gesellschaft e.V. (IEWG) gegründet worden. Mit der nun hier vorliegenden zweiten wissenschaftlichen Veröffentlichung kommt zum Ausdruck, daß sich diese Dichtergesellschaft im literarischen Leben unseres Landes und über die Grenzen Deutschlands hinaus einen festen Platz geschaffen hat und das Andenken an den ostpreußischen Schriftsteller Ernst Wiechert (1887-1950) sichtbar lebendig hält. Der Sammelband bietet Texte von Vorträgen, die auf Jahrestagungen der IEWG das literaturvermittelnde Gespräch gefördert haben. Dabei sind stets Ansatzpunkte für weiterführende Gedankengänge gesucht worden; es erwies sich als günstig, daß auch neues Quellenmaterial zur Verfügung stand. Weitere Aufsätze untersuchen Wiecherts Verhältnis zum christlichen Glauben und widmen sich der Interpretation seiner Werke. Ein Halbjahrhundert nach des Dichters Tod gelangen alle Autoren zu der Feststellung, daß es die Bücher Ernst Wiecherts verdienen, weiterhin gelesen und verbreitet zu werden. Da der IEWG Mitglieder aus sechs Ländern angehören, freuen wir uns, in diesem 2. Band unserer Schriftenreihe auch darüber berichten zu können, wie des Dichters Erbe in Italien und Rußland gepflegt wird. Das Werk Ernst Wiecherts vermag Brücken zwischen den Völkern und Kulturen zu bauen und Menschen zusammenzuführen, die fortan im vereinten Europa ohne ein verständnisvolles Miteinander auf Dauer nicht leben können. Im Jahre 2000 erinnert die literarische Welt an Wiecherts 50. Todestag. Mit ihren im vorliegenden Sammelband veröffentlichten Forschungs- und Arbeitsergebnissen möchte die IEWG ihren Beitrag zur Würdigung dieses Gedenktages leisten, zugleich aber auch eine breitere Öffentlichkeit an diesen Autor heranführen und seine Bücher jüngeren Menschen nahebringen, für die der Autor Ernst Wiechert vermutlich einer Neuentdeckung entspricht. In seinem Gedicht „Im Alter" stellt er sich die Frage, was von unserem Erdenweg bleibt. Des Dichters hoffnungsvoller Schlußfolgerung fühlen wir uns tief verbunden. In diesem Sinne überreichen wir unseren IEWG-Mitgliedern sowie allen Literaturfreunden diesen Band, der einem aktuell gebliebenen dichterischen Werk gewidmet ist. „Wir sind nur Weg und sind nicht Ziel, und Sohn und Enkel bergen still, was deiner Hand entglitten."

Hans-Martin Pleßke / Klaus Weigelt

 

Die Autoren:

Bärbel Beutner, geb. 1945 in Stolp/Pommern auf der Flucht aus Heiligenwalde/Kreis Königsberg (Ostpreußen). Studium an der Wilhelms-Universität Münster (Germanistik, Philosophie, Latein). Staatsexamen 1969, Magister 1970, Promotion 1971 (Die Bildsprache Franz Kafkas). Seit 1972 am Friedrich-Bährens-Gymnasium in Schwerte/Westfalen in den Fächern Deutsch und Philosophie tätig. Lebt seit 1947 in Unna/Westfalen, was sich in verschiedenen literarischen Arbeiten niederschlägt. Monographische Veröffentlichungen über Agnes Miegel, Hermann Sudermann und über Ostpreußen. Seit 1984 freie Mitarbeit an der „Kulturpolitischen Korrespondenz" (Bonn) sowie an verschiedenen Zeitschriften.

Maria Anna Burgnich, geb. 1967 in Gorizia (Italien). Studium der Germanistik und Anglistik an der Universität Trieste, Diplomarbeit „Ernst Wiechert e i Märchen" (1991). Studium der Pädagogik ebenfalls an der Universität Trieste, Diplomarbeit 1996. Seit 1991 beamtete Englisch-Lehrerin an einer Grundschule. Veröffentlichungen in Zeitschriften und Sammelbänden, darunter auch Aufsätze und Bibliographien über Ernst Wiechert. Lebt in Villesse (Italien).

Jürgen Fangmeier, geb. 1931 in Neuwied/Rhein, verheiratet mit Erika geb. Reusser aus dem schweizerischen Kanton Bern. Studium der ev. Theologie, Philosophie, Psychologie und Pädagogik in Bonn, Tübingen, Basel und Wuppertal. Dr. theol. Basel 1963. Amerbach-Preis der Universität Basel 1967. 1964-1967 Pfarrvikar in Riehen/Basel. Seit 1968 Pfarrer in Schöller/Wuppertal und Dozent, ab 1969 Professor für Systematische Theologie an der Kirchlichen Hochschule Wuppertal. 1987 und 1990 Gastdozent in Hyderabad/Indien. Seit 1994 emeritiert, wohnhaft in Haan bei Wuppertal. Theologische Veröffentlichungen, u. a. über Karl Barth, sowie verschiedene Beiträge über Ernst Wiechert.

Gerda Hubert, geb. 1928 in Steele/Ruhr. Studium für das Lehramt an Volksschulen an der Pädagogischen Akademie Kettwig/Ruhr. Studium der Germanistik, Anglistik, Musikwissenschaft in Köln, Münster, Exeter/England, Tübingen. Promotion zum Dr. phil. (Abend und Nacht in Gedichten verschiedener Jahrhunderte. Vergleichende Interpretationen.) 1965-1981 Dozentin an der Pädagogischen Hochschule Ruhr, Abt. Kettwig/Duisburg: 1972 Umwandlung in/Gründung der Gesamthochschule/Universität Duisburg. Ebenda Professor für Literaturwissenschaft und Literaturdidaktik. 1969-1970 Bibliotheksdozentin/Leitung der Bibliothek. 1970-1971 Assistant Teacher for German Language and Literature, Maidstone Grammar School for Boys/England. 1974-1975 Dekan, 1975-1976 Prodekan des Fachbereichs Sprach- und Literaturwissenschaften an der Gesamthochschule/Universität Duisburg. Veröffentlichungen u. a. über Ernst Wiechert. Lebt in Hattingen/Ruhr.

Leonore Krenzlin, geb. 1934 in Leipzig. Studium der Germanistik ab 1953 an der Berliner Humboldt-Universität. Promotion zum Dr. phil. (Hermann Kant. Leben und Werk). Auch als Buch (1980) bisher in drei Auflagen erschienen. 1970-1990 Wissenschaftliche Mitarbeiterin am Zentralinstitut für Literaturgeschichte der Akademie der Wissenschaften der DDR. Forschungen und Veröffentlichungen zur nationalsozialistischen Literatur, der Literatur der „inneren Emigration" (u. a. über Ernst Wiechert) und zur Literatur der DDR. Lebt in Berlin.

Lidia Natjagan, geb. 1944 in Mendelejewsk an der Kama. Umsiedlung der Familie 1947 nach Königsberg/Kaliningrad. 1963-1969 Studium der Germanistik in Minsk. Seit 1969 als Deutschlehrerin in Kaliningrad tätig. Interessiert sich für die Kultur des ehemaligen Ostpreußen und die daraus resultierende literarische Entwicklung, besonders jedoch für das Schaffen Ernst Wiecherts. Sie hat 1995 über ihn und seine Königsberger Lebensperiode publiziert. Mitbegründerin des Ernst-Wiechert-Freundeskreises in Kaliningrad, wo sie auch lebt.

Helmut Neuwinger, geb. 1945, aufgewachsen in einer Bergwerkssiedlung in Duisburg. Lehre als Schaufenstergestalter, Abitur am Abendgymnasium. Studium der Germanistik und Kunst für das Lehramt an der Gesamthochschule/Universität Duisburg. Seit 1979 Realschullehrer in Duisburg. Ausstellungen mit eigenen Malereien und Radierungen in Duisburg, Neukirchen, Rheinberg und Moers. Verfasser bisher unveröffentlichter Schriften über das Leben in einer Bergwerkssiedlung.

Hans-Martin Pleßke, geb. 1928 in Strenznaundorf (Mansfelder Seekreis). Buchhändler, Diplombibliothekar. 1949-1993 Wissenschaftlicher Bibliothekar in der Deutschen Bücherei Leipzig. 1972 Externes Staatsexamen (Bibliothekswissenschaft) an der Berliner Humboldt-Universität. 1974 Universität Leipzig Promotion zum Dr. phil. (Das Leipziger Musikverlagswesen und seine Beziehungen zu einigen namhaften Komponisten). Zahlreiche Veröffentlichungen zum Buch- und Bibliothekswesen, zur Musikverlagsgeschichte, zu den Wechselbeziehungen zwischen Musik und Dichtung sowie zur Literatur des 20. Jahrhunderts. Monographische Publikationen über R. C. Muschler, L. Fürnberg, E. Wiechert, A. Goes und S. Berger. Walter-Bauer-Preis für Literatur (1994) der Städte Leuna und Merseburg. Lebt in Taucha bei Leipzig.

Sem Simkin, geb. 1937 in Orenburg (Ural). 1960 Studium an der Technischen Universität Kaliningrad. Ab 1964 zur See gefahren, Fernstudium am Moskauer Literatur-Institut. Mitglied des Schriftstellerverbandes der Russischen Föderation, Leiter des literarischen Vereins „Quelle". Bisher 12 Gedichtbände veröffentlicht. Seine literarische Nachdichtung deutscher Texte aus dem 16. bis 20. Jahrhundert „Du mein einzig Licht" in die russische Sprache liegt bereits in 2. Auflage vor. In einer zweisprachigen Reihe sind 1997 zwei Bände mit Nachdichtungen von Agnes Miegel erschienen, ein Wiechert-Gedichtband befindet sich in Vorbereitung. 1998 Auszeichnung mit dem regionalen Literaturpreis „Anerkennung". Lebt in Kaliningrad.

Klaus Weigelt, geb. 1941 in Königsberg Pr. Nach Abitur und Wehrdienst Studium der ev. Theologie, Pädagogik, Nationalökonomie und Soziologie in Hamburg, Tübingen und Freiburg. Diplom-Volkswirt. Seit 1971 Wissenschaftlicher Angestellter der Konrad-Adenauer-Stiftung, zunächst im Bereich der politischen Bildungsarbeit, 1975 bis 1981 Landesbeauftragter der Stiftung in Venezuela/Lateinamerika, 1981 bis 1992 Leiter der Politischen Akademie in Wesseling/Eichholz, 1992 bis 1998 Leiter des Europabüros Brüssel der Konrad-Adenauer-Stiftung; seit 1998 Leiter der Hauptabteilung Nordamerika, Europa, Japan und Inlandsprogramme im Bereich Internationale Zusammenarbeit der Stiftung. Vorsitzender der Stadtgemeinschaft Königsberg Pr., Mitglied im Kuratorium Ostdeutscher Kulturrat, Gründungsmitglied und Stv. Vorsitzender der Internationalen Ernst-Wiechert-Gesellschaft e.V. Zahlreiche Veröffentlichungen zu politischen und wirtschaftspolitischen Fragen. Hrsg. (mit Guido Reiner) von Band 1 der Schriften der Internationalen Ernst-Wiechert-Gesellschaft „Ernst Wiechert heute", Frankfurt/Main 1993.

 

Beiträge:

Klaus Weigelt - Zehn Jahre Internationale Ernst-Wiechert-Gesellschaft.

Hans-Martin Pleßke - „Die Eisschmelze der Irrtümer" - Ernst Wiechert und Walter Bauer im Mit- und Gegeneinander.

Jürgen Fangmeier - Ernst Wiechert als Seelsorger.

Jürgen Fangmeier - Sonntagmorgen-Andacht bei der Wiechert-Tagung. Ansprache am 24. August 1997 in Mülheim/Ruhr.

Hans Martin Pleßke - Das Mißlingen des Lebens in Ernst Wiecherts frühen Romanen.

Leonore Krenzlin - Autobiografie als Standortbestimmung. Ernst Wiecherts "Wälder und Menschen"
im Kontext der Entstehungszeit.

Helmut Neuwinger - Ernst Wiecherts Roman "Das einfache Leben" - eine "ländliche Idylle"?

Bärbel Beutner - "Diese Welt des Schweigens" - Ernst Wiechert und die Kurische Nehrung.

Gerda Hubert - Ernst Wiecherts Gedicht "Es geht ein Pflüger übers Land" - Interpretation.

Maria Anna Burgnich - Die Kenntnis und Verbreitung der Werke Wiecherts in Italien.

Lidia Natjagan und Sem Simkin - Ernst Wiechert-Pflege heute in Kaliningrad/Königsberg.